![]() DIVA-Gästewohnung der Bikuben-Stiftung in Frederiksberg. |
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(1) Anders Lund Hansen weist darauf hin, dass in Kopenhagens Stadtpolitik in den letzten 20 Jahren drei Tendenzen zu beobachten sind. Erstens: Der politische Schwerpunkt verlagert sich von einer Agenda der Redistribution zu einer Agenda des Wachstums. Zweitens: Die Perspektive wendet sich von innen nach außen. Drittens: Privatwirtschaft wird zunehmend in Entscheidungsprozesse eingebunden während der öffentliche Sektor mehr und mehr unternehmerische Organisations- und Verhaltensformen annimmt. Die zentralen Akteure definieren Kopenhagen als Knoten innerhalb des europäischen conurbanen Systems, als Wachstumslokomotive für ganz Dänemark. (siehe: Anders Lund Hansen, Space wars and urban governance: creative and inhumane urban transformation, in: Urban Governance, Berlin 2007.)
(2) "DIVA, Danish International Visual Exchange Program" wurde eingerichtet um wertvolle Netzwerke für dänische Künstler, Vermittler und Kunstinstitutionen zu etablieren, während gleichzeitig indirekt die dänische Kunstszene im Ausland an Bekanntheit gewinnt. |
In Quest of the Perfect Location Im Sommer 2006 veröffentlichten die Zeitungen als Ergebnis einer weltweiten Erhebung, die Dänen seien das glücklichste Volk der Welt. Die Arbeitslosigkeit lag unter 4% und die Geburtenrate bei 1,74 Kindern pro Frau. Auffallend viele junge Familien schoben Kinderwägen durchs Straßenbild und eine restriktive Migrationspolitik sorgte dafür, dass es vorwiegend blond blieb. Kopenhagens Stadtentwicklung war direkter Ausdruck der wirtschaftlichen Konjunktur. Wo noch vor wenigen Jahren Industriebrachen Löcher ins urbane Gewebe gerissen hatten, waren die Preise für Wohneigentum in die Höhe geschossen. Die Immobilienbeilagen der Zeitungen nahmen den Umfang von Telefonbüchern an und wochenends vergnügte man sich mit der Besichtigung von Muster-Wohnungen oder der Zusammenstellung der Einrichtung. Noch suchte man in Ørestad seinen Weg zwischen Baucontainern und Baggern und der neu angelegte Amager Strand erinnerte an einen technoiden Spielplatz nach einem Atomschlag. Aber schon behauptete sich eine luzide, segmentierte Welt individuellen Wohlstands und gesicherten Lebensstandards, die sich in Architektur, angelegten Wasserlandschaften, einer führerlosen Metro und der aufwändigen Gestaltung des öffentlichen Raums zeigte. (1) Der Sommer war ungewöhnlich heiß und eine Algenpest brachte die Wasseradern Kopenhagens zum Umkippen. Uns führte die Suche nach der Perfect Location in die Stadt, in der wir die Heterotopien Christiania und Tivoli erkunden wollten, den Freistaat und den Vergnügungspark. An den beiden umgewidmeten Militärgeländen interessierte uns die Differenz zur Norm und die strenge Dichotomie von Innen und Außen machte die Bedingungen zur Erforschung des perfekten Ortes perfekt. Warum überhaupt die räumliche Fixierung? Hat nicht längst die Suche nach der perfect relation die Suche nach der perfect location abgelöst? Auch wenn eine nomadisierende Lebensweise zwischen temporären Zweckbündnissen zunehmend Realität wird, bleibt gebaute Umwelt mit Ideologie verbunden. Raumordnungen repräsentieren nicht nur gesellschaftliche Gruppen, sondern geben auch Handlungsabläufe vor. Routinen und Gewohnheiten sind in den Raum eingeschrieben. Die Frage »Geht es um eine Praxis oder den Ort?« trennt Bedingungen, die eng zusammengehören. Unsere Recherche ging einher mit der Frage nach dem »guten Leben«, das zwischen individuellem Glück und kollaborativer Selbstverwirklichung pendelt. Eine Wir/Sie-Konstellation und ihre Abgrenzungsreflexe ermöglicht und stärkt dabei das Gefühl von Zugehörigkeit. Geradezu bilderbuchhaft trafen wir diese agonale Konstellation in Kopenhagen an und die Gleichzeitigkeit der konträren Modelle stand dafür, dass die bestehenden Ordnungen nicht unumstößlich, sondern verhandelbar sind. Gerade war mit DIVA (2) Dänemarks erstes Stipendium für internationale Künstler eingerichtet worden, das unseren Aufenthalt finanzierte und uns in einer Gästewohnung der Bankstiftung Bikuben Foundation in Frederiksberg einquartierte. Die Bankiers-Gattin hatte die Wohnung eingerichtet und ein Interieur aus Arne Jacobsen, Henning Poulssen und Carl-Henning Pedersen kreiert. Von der voll ausgestatteten Küche bis zum Wäschetrockner war an alles gedacht. |